27.11.2016

Über Smartphone-Entzug

Chiaroscuro-Magazine_Smartphone-Entzug
Smartphones halten nicht so lange, wie alte Tastenhandys, das war mir klar. Mein derzeitiges Smartphone hatte ich fast drei Jahre lang, sein baldiges Aufgeben hat es aber bereits vor Monaten in Form von Aussetzern angekündigt. Vor zwei Wochen gab es endgültig den Geist auf - der Touchscreen ist nicht mehr bedienbar. Etwas genervt kramte ich ein altes Nokia-Tastenhandy aus der Schublade. Mein Smartphone war nicht nur Ereichbarkeitsmedium für mich, sondern auch Wecker, Navigator und Zeitvertreiber.

Schnell fehlten mir meine zehn verschiedenen Wecker für Termine in der ganzen Woche: verschiedene Weckzeiten für verschiedene Unitage oder wann ich zu meinem Nebenjob muss. Auch um meine Mails zu checken brauche ich nun immer meinen Laptop, weil ich oft wichtige Mails bekomme: Referatsgruppen, Seminarpläne, Dienstpläne und Ausfalltermine. Wenn ich dann mal in der Stadt bin schaute ich am Handy nach, wann die nächste Tram nach Hause fährt oder was es in der Mensa zu essen gibt - nun geht das nicht so einfach. Beim Schreiben einer Sms fasse ich mich kurz, obwohl ich eine Flatrate habe. Der ungewohnte Tastenwiederstand macht das Tippen unglaublich anstrengend, selbst mit dem fast vergessenen T9-System.

Nach zwei Wochen Entzug habe ich aber auch einige Vorteile am Tastenhandy entdeckt: wenn ich nicht über verschiedene Social-Media-Kanäle erreichbar bin, geht es mir besser, wie Mayla kürzlich auch berichtet hat. Und immerhin einen Wecker kann ich täglich einstellen, so hangele ich mich einfach von Termin zu Termin. Und auch Spiele sind verfügbar - endlich wieder Tetris und Snake!
Einzig das kleine Format des Tastenhandys werde ich vermissen, es passt in jede noch so kleine Hosentasche. Mein neues Smartphone ist aber schon bestellt und wird Mitte Dezember vermutlich bei mir eintreffen. Es wird ein Shiftphone, sollte mal etwas sein, kann man einzelne Module nachkaufen und vor allem den Akku selbstständig wechseln. So wird es mir nie wieder passieren, dass der Touchscreen nicht mehr geht und der eingestellte Wecker mehrere Stunden dauerklingelt, weil ich ihn nicht ausschalten kann, aber auch kein Reset des Handys möglich ist. Besonderen Wert legen die Macher auf eine faire Produktion, stecken aber nicht so viel Geld in Werbung und Marketing, sodass es nicht so teuer ist, wie das Fairphone zum Beispiel. Ich werde vielleicht berichten, wie es mir so gefällt.

// Sarah

22.11.2016

Über Social Media-Detox

Chiaroscuro-Magazine_Social-Media-Detox
Als ich aus meinem ersten Urlaub seit vielen Jahren nach Deutschland zurückgekehrt war, hatte sich in mir eine Tiefenentspannung breit gemacht, die ich schon lange nicht mehr verspürt hatte. Ich war motiviert und freute mich auf alles, was auf mich zukommen sollte. Bis auf eines: Klingelnde Handys, aufploppende Benachrichtigungen und den Zwang, etwas für die Onlinepräsenz zu produzieren. 

Von einem Tag auf dem anderen, es geschah ohne offiziell gefassten Entschluss, kehrte ich den sozialen Netzwerken den Rücken. Ich kündigte meine Abwesenheit nicht an, bereitete mich nicht darauf vor und wagte es einfach. Wobei sich dies für mich nicht als besonderes Wagnis herausstellte. Ich hatte schlichtweg keine Lust mehr, sofort nach dem Aufstehen Instagram zu checken oder die fünf neuen Nachrichten zu beantworten. Auch tagsüber konzentrierte ich mich auf andere Dinge. Und irgendwann stellte ich fest: Ich hatte plötzlich unglaublich viel Zeit gewonnen. Ich war zufrieden. Ich war motiviert. 

Mit einem Mal erledigte ich all die Dinge, für die ich nie Zeit hatte. Ich band die Monstera endlich hoch, die auf dem obigen Bild noch unmotiviert herumhing. Ich entrümpelte unseren übervollen Abstellraum. Ich las ein Buch. Ich malte. Und ich nahm mir Zeit für mich.
Ich habe in den Wochen überraschenderweise nichts vermisst, ebensowenig hatte ich das Gefühl, etwas zu verpassen. Trotzdem bin ich mittlerweile wieder aktiv im Internet unterwegs, allerdings gehe ich nun entspannter an die Sache ran. Ich habe keine bescheuerten Schuldgefühle mehr, wenn der virtuelle Kram nicht up to date gehalten wird. Und da man nicht tagtäglich mit dem selben Mist konfrontiert wird, macht das Scrollen und Entdecken viel mehr Freude. Denn verteufeln muss man die sozialen Kanäle nicht, jedoch muss man sich vor der Gefahr der Übersättigung schützen. Notfalls mit der totalen Abstinenz. In jedem Fall lohnt sich diese Erfahrung und ich versichere euch: Das Leben "draußen" ist wirklich spannender. 

 // Mayla
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